Das Zeitalter der Extreme
Eric Hobsbawm
3. Auflage, 1999, Deutscher Taschenbuchverlag
Mit Liebe zum Detail gibt Hobsbawm einen Überblick über das "kurze 20.
Jahrhundert".
Er liefert Informationen über alle relevanten Entwicklungen, von der
Alltags- über die Mentalitätsgeschichte
bis hin zur großen Politik. Dabei fehlen weder Hintergrundinformationen
über die Wirtschaft, die Kunst wird mit
ebenso großer Sachkenntnis beschrieben wie die Lage der Menschen in den
Staaten der Welt. Deutlich ist zu spüren,
das Hobsbawm das Jahrhundert nicht aus der kühlen Beobachterperspektive
beschreibt, sondern zu einem großen Teil
Miterlebt hat. Einen Ausblick auf die kommende Zeit will er dennoch
nicht geben - es ist jedoch klar, daß er am
Ende seines Buches ein pessimistisches Bild vor Augen hat. Zu sehr hat
der Mensch in die Natur eingegriffen,
als daß es ein Zurück gäbe. Positiv auffallend ist die gelungene
Gliederung des Buches (bzw. des Jahrhunderts).
Die Kapitelüberschriften verraten Trends, denen die damalige Zeit
folgte, geben Hinweise auf die unglaublichen
Umwälzungen, die vom Ausbruch des ersten Weltkrieges bis zum Zerfall der
Sowjetunion stattfanden.
Hobsbawm erkennt in den technischen und sozialen Veränderungen des 20.
Jahrhunderts nicht mehr die Handschrift
einer zielgerichteten Geschichte. "Wir wissen nicht, wohin wir gehen,
wir wissen nur, daß die Geschichte uns an
diesen Punkt gebracht hat..." Ein resignierendes Fazit ? Zumindest eine
Einsicht, die sich auf jahrzehntelange
intensive Beschäftigung mit der Zeitgeschichte stützt. Die Analyse
unseres Jahrhunderts ist jedenfalls umfassend
und in sich schlüssig.
W.Klinghammer, Politikwissenschaft, Uni Jena
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