Politisches Denken im 20. Jahrhundert
Herfried Münkler (Hrsg)
2. Auflage, 1997, Piper
"Die politische Befähigung, so der Sophist Protagoras in Platons
gleichnamigen Dialog, sei etwas, das allen Menschen, nicht nur
einigen Spezialisten zukomme", beginnt die Einleitung zu dem
Lesebuch "Politisches Denken im 20. Jahrhundert".
Die Frage, was Politik, das Politische oder der Politiker an sich
überhaupt bedeutet, ist bis heute nicht verbindlich geklärt.
Das politische Denken (des Einzelnen und im Verständnis der Gesellschaft)
wirft in seiner Vielschichtigkeit Dispute und Kontoversen hervor. Unter
welchen Prinzipien und Regeln darf politische gehandelt werden? Auf
welche Ressourcen darf dabei zurückgegriffen werden? Die Texte,
in dem von Herfried Münkler herausgegebenen Lesebuch, vermitteln einen
Teil des Umfangs dieser Kontroversen. Dabei stellen sie natürlich
keine Lösungen, aber Anregungen und Entwicklungslinien vor. Zum
"Politischen" kommen Max Weber, Niklas Luhmann und Karl Mannheim zum
Wort. Zu "Prinzipien und Normen" sind im Lesebuch Aufsätze von Max
Scheler (Die Idee des Friedens), Albert Camus (Freiheit und
Gerechtigkeit) zu finden.
Das vierte Kapitel widmet sich vor allem möglichen und existierenden
Staatsformen. Dazu gehören die Demokratie (Rosa Luxemburg, Karl
Jaspers, Hermann Heller) und die Diktatur (Leo Trotzki: Der politische
Zwang zur Diktatur des Proletariats). Auch "Prognosen und Diagnosen" werden
vorgestellt, am interessantesten in diesem letzten Teil des
Buches, ist der Aufsatz von Jürgen Habermas zur Krise des
Wohlfahrtsstaates und der Erschöpfung utopischer Energien.
Die gesammelten Texte in diesem Lesebuch stammen nicht nur von
Politologen, Aufsätze von Soziologen, Psychologen und Anthropologen sind
ebenfalls vertreten. Für Interessierte aller Fachrichtungen, besonders
der Politikwissenschaften und Geschichte ist das "Politische Denken
im 20. Jahrhundert" ein Lesebuch mit umfangreichen Schlüsseltexten.
N.Arendt, Lehramt Deutsch/ Geschichte, TU Dresden
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