Psychologie der Zeugenaussage
Friedrich Arntzen
3. Aufl., 1993, C.H. Beck
Wer das in Deutschland übliche Jurastudium durchlaufen hat, wird
spätestens dann, wenn er in der Referendarzeit erstmals einen Zeugen
vernehmen muß bzw. eine Zeugenaussage würdigen muß, den Eindruck haben,
etwas wirklich wichtiges verpaßt zu haben. Während im Studium der
Sachverhalt stets eindeutig ist, stellt sich für den Referendar nun das
Problem, aus den unter Umständen widersprechenden Aussagen der Zeugen die
Wahrheit zu ermitteln. "Psychologie der Zeugenaussage" von Friedrich Arntzen
wird daher jedem Referendar eine große Hilfe sein.
Auf schlanken 164 Seiten,
beschreibt der Autor, der am Bochumer Institut für Gerichtspsychologie tätig
ist, wie die Glaubwürdigkeit eines Zeugen ermittelt werden kann. Da er das
Buch stark gegliedert und mit einem entsprechend genauen Inhaltsverzeichnis
ausgestattet hat, macht es keine Probleme bei Bedarf bestimmte Passagen zu
repetieren. Bedauerlich ist, daß zu den einzelnen Themen keine
weiterführende Literatur in Form von Fußnoten zur Verfügung steht. Statt
dessen hat der Autor seinem Werk ein mit 9 Seiten wirklich ausführliches
Literaturverzeichnis vorangestellt. Positiv fällt auf, daß der Autor, obwohl
selbst Psychologe, darauf verzichtet, den Juristen mit übermäßig vielen
psychologischen Fachtermini zu quälen. Das Buch ist somit auch für
psychologische Laien gut verständlich.
Inhaltlich geht der Autor nach einer kurzen Einführung zunächst auf
allgemeine Kriterien für die Glaubwürdigkeit von Zeugen ein. Anschaulich
wird auch geschildert, worin die Ursachen für objektiv falsche Aussagen zu
sehen sind.
Besonders beachtenswert ist das letzte Kapitel, in dem der Autor seine
Aufmerksamkeit den Besonderheiten der Zeugenaussage von Kindern und
Jugendlichen insbesondere bei Sexualstraftaten widmet.
D.Bach, Rechtswissenschaft, Universität Köln
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