Staaten im Weltmarkt
Thomas Bernauer
1. Aufl., 2000, Leske&Budrich, ISBN 3-81002498-8
Glaubt man den zahlreichen Einschätzungen aus den Lagern der Globalisierungsbefürworter
und -gegner, die in den vergangenen Jahren den populärwissenschaftlichen Buchmarkt
beherrscht haben, dann sind die Folgen des wirtschaftlichen Wandels eindeutig: Staaten
müssen ihre Gestaltungsmacht in der Finanz- und Wirtschaftspolitik an die Unternehmen
abgeben. Unter dem Druck der Erhaltung internationaler Wettbewerbsfähigkeit treten Nationalstaaten
in einen Deregulierungswettlauf um die niedrigsten Steuern, Sozialstandards und Arbeitskosten.
Die Steuerungspoltik der Zentralbanken und Wirtschaftsministerien erweist sich gegenüber
den mächtigeren Akteuren auf den internationalen Kapitalmärkten als wirkungslos. Entscheidungen
werden nicht mehr demokratisch vom Volk, sondern von Aktionären und Fondmanagern getroffen.
Ist dieses Szenario realistisch? Lassen sich hierfür empirische Belege finden? Thomas
Bernauer, ein brillianter Jungprofessor an der ETH Zürich sagt nein - oder zumindest jein!
Zu mehreren Problembereichen werden Regressionsanalysen angestellt, die den Grad
internationaler Verflechtung in der Wirtschaft mit binnenwirtschaftlichen und politischen
Größen in Beziehung setzen. Das Ergebnis ist verblüffend: im den Bereichen der
Staatsausgaben, der Bankenregulierung, der Steuerregime und der Kontrolle multinationaler
Unternehmen gibt es keine positive Korrelation zwischen ökonomischer Offenheit
und staatlichem Kontrollverlust.
Obwohl die Empirie das Vorgehen Bernauers dominiert, kommt auch die Theorie in dem
Buch nicht zu kurz: Das gesamte Spektrum der derzeit diskutierten Theorien der internationalen
Beziehungen, moderne Staatstheorien, regimetheoretische Ansätze und die weltgesellschaftliche
Definition von Entgrenzung und Fragmentierung werden referiert.
Das Buch richtet sich primär an Studenten der Internationalen Beziehungen und an alle,
die sich kritisch mit den Veränderungen der Weltwirtschaft befassen. Es schärft den
Blick für weltwirtschaftliche Zusammenhänge und bietet reichlich Anschauungsmaterial dafür,
wie wissenschaftliche Fragestellungen mittels quantitativer und qualitativer Verfahren
sinnvoll operationalisiert werden können.
S.Hessler, Gesellschaftswissenschaften, Goethe-Uni Frankfurt
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