- Risikomanagement globaler Finanzmärkte
Torsten Strulik
1. Aufl., 2000, Campus, ISBN 3-593-36630-4
In der Vergangenheit ist die Weltwirtschaft mehrfach durch mangelhafte
Risikosteuerung auf den Kapitalmärkten an den Rand des Zusammenbruchs geraten.
Seit Anfang der 70er Jahre die deutsche Herstatt-Bank überraschend Konkurs anmelden
mußte und eine Kettenreaktion durch ausbleibende Zahlungen ausgelöst hatte,
diskutiert man auf internationaler Ebene über Möglichkeiten der Etablierung
einheitlicher Bankenstandards. Strulik belegt exemplarisch und theoretisch, daß der
bisherige Prozeß der Beseitigung von Risiken im Rahmen starrer institutioneller
Regelungen nur bedingt zu einer höheren Sicherheit und damit zur Senkung von
Transaktionskosten geführt hat. Vielmehr haben die Versuche zur Eindämmung von
Risiken sogar zur Produktion neuer Risiken im Finanzsystem geführt. Akteure wie
Regulierungsinstanzen sind in selbstreferenziellen Systemen gefangen, die oftmals
den Blick für Veränderungen in der Außenwelt versperren.
Bankenregulierung ist heutzutage keine rein nationalstaatliche Aufgabe mehr.
Mit der zunehmenden Verflechtung der Finanzmärkte sind sowohl Vertreter der
Nationalstaaten als auch Akteure auf den Finanzmärkten gefordert, in Policy-Netzwerken
einen sicheren und funktionsfähigen Rahmen zur Abwicklung transnationaler Finanzströme zu
entwickeln. Das Buch gibt einen Überblick über internationale Betrebungen zur Regulierung von
Banken und Nicht-Banken, die mit Initiativen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich seit
dem Basler Accord von 1988 in Verbindung stehen. Strulik zeigt aus systemtheoretischer
Sicht Probleme auf, die sich aus dem Spannungsverhältnis von Wissen und Nichtwissen ergeben. Er
favorisiert sogenannte "hybride" Regulierungsformen, in denen nationalstaatliche, internationale
und private Akteure gemeinsame Lösungen für die Risikosteuerung entwickeln.
Das Buch ist im Rahmen eines Forschungsschwerpunktes zu wissensbasierten Organisationssystemen
an der Universität Bielefeld entstanden und verrät schon durch die verwendete Terminologie
die Nähe zum Luhmannschen Weltbild. Wer sich bisher nicht mit systemtheoretischen
Fragestellungen auseinandergesetzt hat, findet im ersten Kapitel eine hervorragende und
leicht verständliche Zusammenfassung dieser theoretischen Denkschule. Auch als
"Geschichtsbuch" zur Entwicklung der Bankenregulierung seit Anfang der 70er Jahre
ist das Buch sehr zu empfehlen. Insgesamt stellt Strulik eine intelligente Verknüpfung
soziologischer und finanzwissenschaftlicher Aspekte her, die sicherlich auch in anderen
Problemfeldern weltwirtschaftlicher Integration Anwendung finden könnte. Einen Ausblick
hierfür bietet das letzte Kapitel, in dem über die Möglichkeiten der Risikominimierung
durch die Kooperation mit Rating-Agenturen nachgedacht wird.
S.Hessler, Gesellschaftswissenschaften, Goethe-Uni Frankfurt
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